Das besondere Ausstellungsstück! (3)

Hermann Schulze (erst ab 1848 trug er den Beinamen „-Delitzsch“) nutzte die Jahre 1837 bis 1844 zu ausgedehnten Bildungsreisen durch ganz Europa. Er wanderte zu Fuß durch Thüringen, durch das Salzburger Land und nach Tirol. 1843 bereiste er Schweden und Norwegen, wobei er nach einer Anreise per Kutsche und Schiff auch dort größere Strecken zu Fuß zurücklegte. Nicht zu vergessen ist seine Rundreise durch Italien im Jahre 1844, wo er auch die beeindruckende Architektur und Kultur intensiv wahrnahm.

Bildungsreisen als „Grand Tour“ konnten sich aufgrund der hohen Kosten nur der Adel und das gehobene Bürgertum leisten. Diese Reisen sorgten für viele Eindrücke, erweiterten den geistigen Horizont und die Sprachkenntnisse. Sie zeigten dem jungen Juristen aber auch, wie prekär die Lage der einfachen Bevölkerung in vielen Ländern war.

Auf seinen Reisen verfasste Schulze auch Gedichte. Kaum zu glauben, dass es ihm 1838 unter dem leicht veränderten Namen „Schulz“ gelang, eine Sammlung von Wandergedichten beim mittlerweile renommierten Leipziger Verlag F. A. Brockhaus zu veröffentlichen. In unserer Dauerausstellung ist das Buch sowohl in der Verlegerbroschur als auch gebunden zu sehen. Die Veröffentlichung war ein Achtungserfolg, denn Brockhaus – damals einer der kapitalstärksten Verlage der Welt – lehnte ein Großteil der ihm angebotenen Manuskripte ab. Hätte Schulze alias „Schulz“ das Zeug zu einem Volksdichter gehabt?

Lesen wir doch in seinem „Wanderbuch“:

 

Das Wetter.

 

Mittag warʾs und dumpfe Hitze

Lagert schweigend überʾm Wald,

Regt sich keines Baumes Spitze

Und kein lustig Liedlein schallt.

 

Und ich wandlʾ in trüber Bänge

In das Schweigen immer drein,

Wecke meiner Zither Klänge,

Düstre Klage schallt darein.

 

 

Ein vollständiges Faksimile finden Sie hier:

https://books.google.com/books/about/Wanderbuch_Ein_Gedicht_in_Scenen_und_Lie.html?hl=de&id=nStcAAAAcAAJ 

 

 

 

 

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