Rückblick 24. Delitzscher Gespräch

Eine Nachschau auf das 24. Delitzscher Gespräch zum Thema: „Genossenschaft leben – Wie wird der Förderungsauftrag umgesetzt?“

Am 4. April 2019 lud die Deutsche Hermann-Schulze-Delitzsch-Gesellschaft zum mittlerweile 24. Delitzscher Gespräch ein. Zahlreiche Besucher folgten der Einladung, die sich diesmal der zentralen Frage widmete, wie Genossenschaften in ihrer ganz alltäglichen Arbeit ihrem Förderungsauftrag sowohl gegenüber den Mitgliedern als auch dem gesellschaftlichen Umfeld gerecht werden.

Als erstes sprach Frau Prof. Theresia Theurl, Direktorin des Instituts für Genossenschaftswesen an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. In ihrem Impulsreferat hob sie unter der Überschrift „Genossenschaften neu leben: Perspektiven einer organisatorischen Innovation“ hervor, dass sich diese Unternehmensform unterschiedlichen Herausforderungen stellen sollten. Dabei könne man auch auf den ersten Blick widersprüchliche Ziele miteinander sinnvoll verbinden, etwa regional verwurzelt zu bleiben und zugleich überregional mit Partnern große Projekte zu stemmen. Genossenschaften verkörpern in diesem Sinne ein sehr populäres und zukunftsweisendes Geschäftsmodell. Besondere Aufmerksamkeit widmete sie der Vorstellung des Begriffs MemberValue als messbaren Wert der wirtschaftlichen Aktivität und Attraktivität einer Genossenschaft für seine Mitglieder.

Quelle: DHSDG

Franz Reischl, Direktor und geschäftsführender Vorstand der BÄKO-Österreich in Linz, stellte daraufhin seine Einkaufsgenossenschaft der Bäcker und Konditoren vor, die seit über 100 Jahren im gesamten deutschsprachigen Raum tätig ist. Reischl unterstreicht den Punkt, dass gerade genossenschaftlich organisierte Handwerkerbetriebe in einer zunehmend globalisierten Welt nachhaltig operieren können. Die Mitglieder seiner Genossenschaft profitieren von nachhaltig angebauten Produkten, werden fortlaufend qualifiziert und genießen die Vorteile einer gut organisierten Einkaufsbündelung, -konzentration und -beratung. Die BÄKO-Osterreich vertritt jedoch auch die Interessen seiner Mitglieder gegenüber hart kalkulierenden Zuliefererfirmen. Der Förderauftrag bestehe somit aus zwei wichtigen Komponenten: stärken und schützen – in der Leistung um im Wettbewerb kräftigen und vor Nachteilen bewahren.

Quelle: DHSDG (zu sehen, links Herr Dr. Viehweger, rechts Herr Franz Reischl,BÄKO-Österreich )

Für Wolfgang Altmüller, Vorstandsvorsitzender der VR meine Raiffeisenbank eG in Altötting, liegt der Förderauftrag ebenso in einer engagierten Mitgliederarbeit, aber auch einem weiteren Kundenkreis in und außerhalb der Region begründet. Er verweist auf die besondere Produktpalette seiner Genossenschaftsbank, die wichtige, je lebensnotwendige Dienstleistungen anbietet, die man nicht wie bei einer Einkaufsgenossenschaft „anfassen“ kann. Der Förderauftrag realisiert sich hier in einer gezielten, individuellen Arbeit mit den Mitgliedern, aber auch weiteren Kunden in einer Zeit des durchgreifenden Wandels und einer dramatischen Regulatorik im Bankenwesen. Wichtig sind für ihn die Werte, die eingetragene Genossenschaften in das wirtschaftliche, redliche Handeln einbringen. Ein besonderes Augenmerk legt er auf die Folgen der Digitalisierung in seinem Tätigkeitsbereich.

Quelle: DHSDG (Herr Wolfgang Altmüller,VR meine Raiffeisenbank eG in Altötting)

Sven Viehrig, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft „Fortschritt“ Döbeln eG, stellt sein Unternehmen mit knapp 1.800 Mitgliedern vor, das seit ca. 60 Jahren existiert und derzeit einen modernen Wohnungsbestand in Döbeln und Ostrau unterhält. Genossenschaftliches Eigentum im Bereich Wohnen bietet viele Vorteile, weil das Mitglied quasi Miteigentümer der Wohnung wird und ein Mitspracherecht erwirbt. Zugleich sind Genossenschaftswohnungen kein Spekulationsobjekt. In ihnen wohnt man kündigungssicher und vergleichsweise preiswert. Besonders hervorzuheben ist das soziale Engagement seiner Wohnungsgenossenschaft. Verschiedene Wohnkonzepte werden hier durchgeführt. So ermöglicht das „Döbelner Modell“ Genossenschaftsmitgliedern trotz Pflege- und Betreuungsbedürftigkeit, solange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu leben. Und Mietern, die aufgrund einer finanziellen Notlage oder krankheitsbedingt Hilfe benötigen, erfahren durch soziale „Kümmerer“ eine erste Beratung und Hilfestellung.

Quelle: DHSDG

Die ReferentInnen stellten sich in einer anschließenden, rege genutzten Podiumsdiskussion den interessierten Publikumsfragen. Wie auch im letzten Jahr, werden die Ergebnisse des diesjährigen Delitzscher Gesprächs in gedruckter Form im Buchhandel erscheinen. Das nächste Delitzscher Gespräch wird am 16. April 2020 zum Thema „Wohnen in Genossenschaften“ stattfinden, angesichts drastisch steigender Mieten in vielen Großstädten eine zukunftsweisende Alternative.

Quelle: DHSDG

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